Die Zunftordnung der fahrenden Mundwerker
(Auszug)
(...) "Fahrende Mundwerker sind rechtschaffend Leut. Sie reisen durch Land und Flur mit gut Gewissen, hilfreich und freundlich. Wo ihre Hülfe gebraucht wird, zögern sie kein Sekund. Wo ihnen geholfen wird, danken sies´ mit erfrischender Mär und lustiger Musik. Sie reisen zu Fuß, mit dem Drahtesel, mit Mule und Esel oder mit der Dampfbahn - nie aber mit dem Automobil und bleiben nirgends länger als sieben Nächte. Ist ihnen ein Mundwerkerlehrling anvertrauet, so weisen sie ihn mit gutem Vorbild ein, daß er ihnen Ehre bereite, wenn er selbst einmal als fahrender Mundwerkergeselle übers Land zieht. Nie verschließen Sie das Ohr für gute neue Geschichten, nie für ein Lied, wenngleich schlecht gesungen. Aufs Herz kommts an, nicht auf die Stimm.
(...) Nie läßt sich der Mundwerker einwickeln in grobes Leutausrichten, Ratsch und Tratsch. Er trägt nur weiter was ehrvoll ist und gut. Kommt in einer Geschichte der Name eines Menschen vor, so fragt er ob er die Mär erzählen darf - ist der Mensch tot, so erfind einen Namen ihm neu. Überliefert Märchen verändert er nie, auch nicht Sagen alter Art. Geschichten mit schwacher Seele verwandelt er mundwerklich zu strammen Burschen. Geschichten mit hagerer Gestalt verwandelt er mundwerklich zu drallen Dirnen. Immer achten sie auf guten Geschmack bei der Mundwerkerei.
(...) Sind sie Gast in einem Haus so sind sie nicht laut noch anspruchsvoll. Die kleinste Kammer und ein einfach Bett ist genug. Sie trinken nicht über den Durst, das letzte Glas gebührt immer dem Gastgeber. Auch sind sie nicht faul zu fragen, wies ums Haus, um den Hof des Gastgebers steht." (...)
Das Mundwerkerlied (nach der Melodie des "Mia san die zwoa Pfeiferlbuam")
Mia san die zwoa Mundwerksgsölln
und auf da Walz dulieh und auf der Walz
Mia suachan g´logn Gschichtln,
schea Liada und an Jux dulieh und a an Jux
Jodler I:
Liag mi o, Liag mi o, Liag mi o, I glaubs da eh net
Liag mi o, Liag mi o, Liag mi o, I glaubs da eh net
Liag mi o, Liag mi o, Liag mi o, I glaubs da eh net
Liag mi o, Liag mi o, Liag mi - Liag mi o.
Die Manner liagn ofter
aber guat liagn nur die Frauen dulieh guat liagn die Fraun
jede Lug kann a wahr sein
vüll Wahrheit is a Lug dulieh Wahrheit is a Lug
Jodler II:
I glaubs net, I glaubs net, I glaubs net, I glaubs da eh net
I glaubs net, I glaubs net, I glaubs net, I glaubs da eh net
I glaubs net, I glaubs net, I glaubs net, I glaubs da eh net
I glaubs net, I glaubs net, I glaubs - I glaubs net.
Mia schlofn im Saustoll
Mia tanzen auf da Tenn dulieh tanzen auf da Tenn
Wann uns aner net hobm wüll,
dann bleibm ma auf der Stell dulieh bleibm auf der Stell.
Jodler III:
Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia gehn net hoam net
Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia gehn net hoam net
Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia gehn net hoam net
Mia bleibm do, Mia bleibm do, Mia bleibm - Mia bleim do!
Text: Norbert Kober
Weitere Mundwerkerlieder:
Hearst dirndl mach auf, oder kennst mi nit
oder is des dei fenster nit
oder is des dei fenster nit
wohl bua, ja wohl, i kenn di scho
du bist mei bua, du warst gern mei mann
aber du hast an rausch, i kenn da's an
i han an rausch, des is da wein
dirndl mach auf und lass mi ein
dirndl mach auf und lass mi ein
na bua, na na, i lass di nit ein
du kunnst heut nacht mei unglück sein
du kunnst heut nacht mei unglück sein
und wann i's a heit dei unglück bi
i war's in stand und heirat di
i war's in stand und heirat dibist du in stand und heiratst mi
bin i's in stand und pfeif auf di
bin i's in stand und pfeif auf di
bist du in stand und pfeifst auf mi
dann bin i's in stand und pfeif auf di
bin i's im stand und pfeif auf di
bua na na na, kumm geh nit furt
he bua - verlass mi nit
sunst hat des kind koan vater nit
Der Hafersack
Da unten am Bach das steht ein Haus (2mal)
Da ist ein junger holadareiduljo
Da ist ein junger Edelmann zuhaus
Der Edelmann der hat nen Knecht
und alles was der hol...
und alles was der macht das ist recht
Er steckt seinen Herrn in nen Hafersack
und schleppt in in die hol...
und schleppt in in die Mühle hinein
Guten morgen guten morgen Frau Müllerin
wo stell ich denn den hol...
wo stell ich denn den Hafersack hin
Bring nur herein und stelln dort ab
zu meines Töchterleins hol....
zu meines Töchterleins Schlafkämmerlein
Wohl an wohl an zu Mitternacht
hat sich der Hafersack hol.....
hat sich der Hafersack selber aufgemacht
Der Hafersack kriegt Händ und Füß
und um die Mitte nen hol....
und um die Mitte nen mordslangen Spieß
Frau Mutter Frau Mutter bring schnell ein Licht
bei mir hierdrin ist ein hol....
bei mir hierdrin ist ein heimlicher Dieb
Da kommt der Müller mit nen Knüppel hinzu
und drischt den Hafersack hol......
und drischt den Hafersach bis das der rennt.